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Erzbistum Bamberg veröffentlicht neue „Leitlinien für die Gottesdienste in den Seelsorgebereichen“

Bamberg – Weniger Priester und haupt­amtliche Mitarbeiter in der Pastoral – gleichzeitig größere Gemeinden. Erzbischof Dr. Ludwig Schick hat nun „Leitlinien für die Gottesdienste in den Seelsorgebereichen“ erlassen. Darin finden sich einer­seits Vorgaben, anderer­seits aber auch Anregungen, wie das gottesdienstliche Leben künftig gestaltet sein kann. Das Heinrichsblatt hat mit dem Moderator der Liturgischen Kommission, Domkapitular Professor Peter Wünsche, über die neuen Leitlinien gesprochen.

Was war der Anlass, beziehungs­weise der Auslöser für diese neuen Leitlinien? Wie lange hat dieses
Procedere gedauert bis die Leitlinien fertig geworden sind?
Professor Wünsche: In den vergangenen Sitzungen der Liturgischen Kommission ist immer wieder darüber diskutiert worden. Zudem gab es eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Endredaktion befasst hat. In der letzten Sitzung der Liturgischen Kommission sind die Leitlinien dann verabschiedet worden. Insgesamt haben wir etwa zwei Jahre daran gearbeitet.

Aus dem beiliegenden Schreiben des Erzbischofs geht hervor, dass die Pfarrgemeinderäte/Seelsorge­bereichs­räte in die Umsetzung mit einbezogen werden sollen. Ist der Zeitpunkt angesichts der anstehenden Pfarrgemeinderats-Wahlen und der Diskussion über den Strukturprozess glücklich?
Professor Wünsche: Es ist ja in den Leitlinien keine Zeitbegrenzung vorgegeben. Es geht um  Anregungen über Dinge, über die sich die neu gebildeten Seelsorgebereichsräte dann den Kopf zerbrechen müssen. Auch im Vorfeld müsste man sich darüber einmal Gedanken machen. Bevor man nun die neuen Seelsorgebereiche bildet, sollte ungefähr klar sein, wie ein Gottesdienstprogramm aussehen könnte. Die Details wird man erst dann regeln können, wenn die Bereiche neu gebildet sind. Von der Zahl der Priester und der hauptamtlichen Seelsorger wird bei der Bildung der neuen Seelsorgebereiche ja auch die Zahl der Gottesdienste abhängig sein.
Es wird natürlich auch Aussagen geben, die manchen Leuten nicht so gut gefallen werden, zum Beispiel dass der Wunsch nach günstigeren Gottesdienstzeiten keine Priorität hat. Zuerst muss man schauen, dass in jeder Pfarrkirche eine Eucharistiefeier angeboten wird, bevor über eine zweite oder dritte Eucharistiefeier in derselben Kirche gesprochen werden kann.  

Wie verbindlich sind die neuen Leitlinien? Ist das eine verbindliche Anweisung, nach der die Pfarreien handeln müssen in den neuen Bereichen oder ist es mehr als Handlungsempfehlung zu sehen?
Professor Wünsche: Was durch das allgemeine Kirchenrecht vorgegeben ist, das ist verbindlich. Das sind aber nur kleinere Teile. Also zum Beispiel die Vorschrift, dass ein Priester am Sonntag nicht mehr als drei Eucharistiefeiern vorstehen darf. Ansonsten sind es tatsächlich – wie der Titel es auch sagt – Leitlinien. Oft wird formuliert: „Es ist anzustreben“. „Der Wunsch“ oder auch „soll, sollte“ sind Worte, die häufig vorkommen. Es wird nur wenig verpflichtend festgeschrieben.

Wiederholt werden in den Leitlinien die Tagzeitenliturgie oder auch Andachten genannt, die verstärkt gefeiert werden sollen. Soll damit das – zuletzt sehr auf die Eucharistie konzentrierte – liturgische Leben wieder vielfältiger werden?
Professor Wünsche: Das ist schon angezielt. Es wird am Anfang gleich gesagt, die Eucharistiefeier ist der Höhepunkt und die Quelle des liturgischen Lebens. Aber es gibt viele andere Gottesdienstformen, die ein Stück weit in Vergessenheit geraten sind. Dass in jeder Pfarrkirche jeden Tag ein Gottesdienst gefeiert wird, in welcher Form auch immer, ist eine Zielvorstellung, die idealerweise anzustreben ist. Das ist aber sicher nicht überall zu verwirklichen. Aber: es legt der Erzbischof schon Wert darauf, dass diese anderen Gottesdienstformen außerhalb der Eucharistie gepflegt werden.
Und es ist natürlich auch eine Möglichkeit, dass Laien, Hauptamtliche, Ehrenamtliche, damit beauftragt werden, diese Gottesdienstformen zu leiten. Man braucht dazu nicht unbedingt das Weiheamt. Bei immer kleineren Zahlen von Priestern und bei auch nicht wachsenden Zahlen von Gemeinde- und Pastoralreferenten ist es natürlich gut, dass es so einfache Gottesdienstformen gibt, sei es eine Andacht, die man mit einer ganz kurzen Ausbildung leiten kann oder mit dem offiziellen diözesanen Kurs eine Wort-Gottes-Feier gestalten kann. Wir haben im Erzbistum die Ausbildung zu Gottesdienst-Beauftragten – und das sind einige Hundert Gläubige in der Erzdiözese, die diese Ausbildung absolvierten.

Werfen wir einmal einen Blick auf die großen Feiertage, also Weihnachten und das österliche Triduum von Gründonnerstag bis zur Osternacht. Viele Filialgemeinden haben hier auch den Anspruch, dass diese Gottesdienste auch in ihren Kirchen stattfinden sollen. Gleichzeitig steht in den Leitlinien, dass ein Priester nicht mehr als eine Karfreitagsliturgie und Osternacht feiern soll. Wie soll damit umgegangen werden?
Professor Wünsche: Der Karfreitag lässt sich relativ leicht lösen. Hauptamtliche Laien müssten in der Lage sein eine Karfreitagsliturgie zu leiten. Und engagierte Ehrenamtliche mit Gottesdienst-Beauftragung müssten das mit etwas Hilfe auch schaffen.
Schwieriger ist der Fall der Osternacht. Leider lässt der Besuch der Osternacht auch an vielen Orten nach. Heute kann man über Fahrdienste nachdenken. Es sollte lieber eine gut besuchte Osternacht im Seelsorgebereich gefeiert werden, als drei Osternächte, die jeweils nur zu einem Drittel gefüllt sind. Aus eigener Erfahrung meiner Kaplanszeit weiß ich, dass die Leitung von zwei Osternächten psychologisch extrem schwierig ist. Man feiert am Abend die erste Osternacht, kommt dann nach Mitternacht erst ins Bett und muss um halb vier wieder aufstehen und von vorne beginnen. Den Übergang von der Trauer zur Auferstehungsfreude kann man nicht in derselben Nacht zweimal innerlich mitvollziehen. Deswegen haben wir in die Leitlinien geschrieben, dass kein Priester verpflichtet ist, zwei Osternächte zu leiten. Es ist nicht streng verboten, aber es sollte nicht sein.
Am Ostersonntag soll aber in jeder Pfarrkirche eine Eucharistie stattfinden, sei es in der Nacht, am Morgen oder am Abend des Ostersonntags.
Bei der Christmette sehe ich das Problem ein bisschen einfacher. Zwei Christmetten zu feiern geht notfalls, auch psychologisch. Aber auch hier sagen wir: es sollte nicht sein, damit keine ungute Routine entsteht,

Ein strittiges Thema ist immer wieder die Wort-Gottes-Feier mit und ohne Kommunionspendung.
Da erhitzen sich ja immer wieder die Gemüter. Was ist die Zielvorgabe in dieser Hinsicht?
Professor Wünsche: Für die Wochentage eindeutig: Wort-Gottes-Feier ohne Kommunionspendung.
Am Sonntag gehen die Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz und auch der Leitlinien dahin, tatsächlich das Wort Gottes neu zu entdecken. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt ja ganz klar: Christus begegnet uns auch da, wo das Wort Gottes verkündet  wird. Er ist das Mensch gewordene Wort Gottes und insofern kann man am Sonntag eine Wort-Gottes-Feier auch ganz gut begründen. Auch das ist ein „richtiger“ Gottesdienst.
Auf der anderen Seite wird natürlich gesehen: Viele sind es einfach gewohnt, dass am Sonntag in der Wort-Gottes-Feier die Kommunion verteilt wird. Der Erzbischof hat darauf verzichtet, ein striktes Verbot auszusprechen. Grundsätzlich ist die Regel: ohne Kommunionspendung. Aber es gibt auch Ausnahme-Situationen, die nicht erschöpfend aufgezählt werden in den Leitlinien, wo man die Kommunionspendung rechtfertigen kann. Beispiele sind, wenn ein Priester für einen längeren Zeitraum krank ist oder ansonsten nur sehr selten Eucharistie gefeiert werden kann. Das wird dann einfach akzeptiert.

Wir haben vorhin ja auch einmal darüber gesprochen, dass es in den Kirchen nach Möglichkeit auch an den Werktagen einen Gottesdienst geben soll. Auf dem Land gibt es ja ganz viele Kirchen, jedes Dorf hat da in der Regel seine Kirche. Ist es vielleicht nicht ein Stück zu viel des Guten, jeden Tag in jeder Kirche einen Gottesdienst feiern zu wollen?
Professor Wünsche: Zuviel des Guten kann es nicht geben. Aber es ist wohl eine Überforderung, wenn jede kleine Filiale in einem 150-Einwohner-Dorf jeden Tag einen Gottesdienst feiern soll. So ist das auch nicht gemeint. Gemeint sind im Wesentlichen die Pfarrkirchen, da ist der tägliche Gottesdienst wenigstens als Ziel anzustreben.

Die Kirche ist ja in den Dörfern oft der zentrale Treffpunkt. Welche Rollen spielen künftig die Filialen in diesem gottesdienstlichen Konzept?
Professor Wünsche: Wir werden uns schon in Zukunft mit der Eucharistiefeier auf die Pfarrkirchen konzentrieren müssen, was nicht ausschließt, dass gelegentlich in den Filialen auch eine Messe gefeiert wird, beispielsweise am Patronatsfest oder der Kirchweih. So ist ja oft auch die Praxis.
Bei vielen Filialen auf dem Land war es nie so gedacht, dass da jeden Sonntag Messe gefeiert wird. Diese Kapellen oder kleinen Kirchen waren hauptsächlich für Andachten oder ähnliche Formen gebaut. Dahin werden wir wohl ein Stück hin zurückkommen. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Eucharistiefeiern sind eben beschränkt durch die Zahl der zur Verfügung stehenden Priester. Da wird pro Seelsorgebereich nur eine begrenzte Zahl von Eucharistiefeiern möglich sein. Gerade im ländlichen Bereich mit vielen, vielen Filialen, wird es sicher weniger Eucharistiefeiern geben, weil wir einfach weniger Priester haben.
Für die kleinen Kapellen bieten sich die vorhin schon genannten Formen von Andachten und Tagzeiten an. Das wird aber sehr individuell zu regeln sein. Wir wollten da nichts vorgeben, das muss jeder Seelsorgebereich in eigener Verantwortung regeln.

Ich fasse einmal zusammen: Es sind einerseits Rahmenbedingungen vorgegeben, auf der anderen Seite hängt wohl auch viel vom Engagement der Gläubigen ab, was an Gottesdiensten in ihrer Kirche stattfindet. Können Sie dem zustimmen?
Professor Wünsche: Ja. Da stimmen wir voll mit dem überein, was die Bischofskonferenz vor zwei Jahren mit ihrem Papier „Gemeinsam Kirche sein“ veröffentlicht hat. Es geht nur noch in gemeinsamer Verantwortung aller. Man kann nicht mehr alle Lasten nur auf das Hauptamt abwälzen.
Ob Gottesdienste stattfinden, wird zum Teil auch an der Initiative von Laien liegen, und zwar von Laien, die nicht hauptamtlich beschäftigt sind, sondern die sich freiwillig einspannen lassen und sagen: ‚Wir bieten diesen Dienst an‘, zum Beispiel jeden Mittwochabend eine Andacht zu halten. Wer kommt, ist recht. Es gibt auch im Beten eine legitime Stellvertretung. Wenn zwei oder drei zusammen kommen, ist das auch ein Gottesdienst, wenn es zehn sind, ist das schöner, wenn es 30 sind, ist es noch schöner. Solange wenigstens zwei beieinander sind, ist die Gemeinschaft gottesdienstfähig. Darunter ist es privates Gebet.

Es gibt einige Hundert Gottesdienstbeauftragte, die aber zum Teil nicht zum Einsatz kommen. Wie kann man da das gute Miteinander fördern? Soll das mit solchen Leitlinien gefördert werden.
Professor Wünsche: Wir hoffen, dass die Leitlinien so ankommen. Und dass die Priester ihre Gläubigen ermutigen, selbst initiativ zu werden und solche Initiativen auch unterstützen. Die Gläubigen müssen nicht immer die ganz ausführliche Schulung bekommen, zum Beispiel die eineinhalbjährige Ausbildung zum  Gottesdienst-Beauftragten. Wie man eine Andacht hält, kann auch der Pfarrer einigen Gläubigen einmal erklären. Im Gotteslob ist ja die Andacht auch beschrieben. Der Pfarrer kann auch durchaus auch mal zum Tutor oder Mentor werden, der dann geeigneten Gläubigen zeigt, wie so etwas geht. Das ist von uns schon erwünscht, dass sich hier möglichst viel tut, ohne dass alles auf diözesaner Ebene geregelt sein muss.

Wenn jemand jetzt dieses Interview liest und sich persönlich einbringen möchte, was wäre dann die beste Vorgehensweise?
Professor Wünsche: Am besten meldet er sich beim Pfarrgemeinderat und/oder beim Pfarrer und sagt: „Ich stünde bereit.“ Dann müsste dies wohl auch in den örtlichen Gremien besprochen werden. Die letzte Entscheidung liegt natürlich beim Pfarrer. Wie der Einsatz erfolgt, das ist Koordinationssache. Und welche Ausbildung benötigt wird, das muss dann gut überlegt werden.

Autor: Andreas Kuschbert / Christoph Gahlau


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