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Gemeinsam macht alles mehr Freude

Ein anderer Blick auf unsere älter werdende Gesellschaft


Foto: Gemeinsames Singen macht in jedem Alter Spaß. Foto: Brigitte Pich

Stühle und Sessel sind zu einem Kreis zusammen geschoben. Die Senioren sitzen in lockerer Runde beieinander und singen gemeinsam bekannte Lieder, begleitet von einem Mitarbeiter auf der Gitarre. Direkt neben ihm sitzt einer der Senioren, ebenfalls mit einer Gitarre in der Hand. Doch es ist keine gewöhnliche Gitarre. Keine gewöhnliche Seniorenrunde. Es sind ältere Bewohner der Behinderten Einrichtung der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf. Wenn es heißt, die Deutschen werden immer älter, dann trifft das auch auf Menschen mit Handicap zu. Denn auch sie profitieren vom medizinischen Fortschritt. Und von einer in den vergangen 20, 30 Jahren besser gewordenen Betreuung, Förderung und Begleitung. Und so gibt es inzwischen in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung spezielle Angebote für ältere Mitbewohner. Bei den Barmherzigen Brüdern in Gremsdorf sind dies vor allem die Seniorentagesstätte und die Förderstätte, in der Menschen unabhängig von einer Altersgrenze ab 18 Jahren betreut werden. In der Förderstätte werden Menschen betreut, die (noch) nicht in der Behinderten-Werkstatt arbeiten können, da es dort um ein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbare Arbeit geht, wie Reginald Niksch, Leiter Förderstätte und Seniorentagesstätte erklärt. In die Seniorentagesstätte können alle älteren Bewohner kommen, egal ob sie vorher in der Werkstatt gearbeitet haben oder nicht. Die TENE, die Tagesbetreuung für Erwachsene nach dem Erwerbsleben – wie die Seniorentagesstätte offiziell heißt, bietet in Gremsdorf 12 Plätze. Da diese halbtags belegt sind, profitieren 24 Senioren von diesem freiwilligen Angebot, so Niksch. Auf dem Wochenplan finden sich Angebote aus den unterschiedlichsten Bereichen, etwa dem motorischen, musischen, kreativen, kognitiven, lebenspraktischen oder handwerklichen Bereich. Das können sportliche Aktivitäten sein, wie Ballspiele, Tänze oder Spaziergänge, Singen, Musikinstrumente selber bauen, malen, basteln mit verschiedenen Materialien, Wahrnehmungsübungen mit allen Sinnen, Rechnen, Regelspiele, Gedächtnistraining oder Zimmergestaltung und Zimmerpflege. Die Senioren gehen auch gemeinsam einkaufen, sie kochen und backen zusammen, übernehmen Botengänge, unternehmen Ausflüge oder versorgen einen Gartenbereich. Meist in kleineren Gruppen. Fester, täglicher Bestandteil ist die Morgenrunde, in der das Mittagessen genauso besprochen wird wie das Wetter und aktuelle Themen aus der Zeitung, in die gemeinsam ein Blick geworfen wird. Nicht zuletzt finden spirituelle und seelsorgerische Angebote viel Raum – weit über jahreszeitliche, kirchliche Feiern hinaus. Gerade im Alter spielen religiöse Themen und Fragen eine große Rolle. Wie auch die Biografiearbeit, in der geklärt werden kann, welche Wünsche noch da sind. Welche Orte jemand noch einmal aufsuchen möchte, welche Menschen noch einmal treffen. Wie in einer Familie sind die Menschen hier nicht nach Altersstufe getrennt. So sind etwa ein Drittel der Bewohner in den drei Häusern, beziehungsweise Wohnbereichen, älter als 60. Zwei Bewohner sind 90, einige über 80 Jahre alt. „Die gemischte Wohnform macht es möglich, dass sich die Bewohner auch gegenseitig unterstützen“, erklärt Jochen Limmer, Leitung Wohnbereich. Zum Beispiel beim Essen. Oder sie schieben einen Mitbewohner im Rollstuhl mit, wenn sie etwa in die Kirche gehen. Aber egal, was die Senioren machen. Es ist immer wichtig, dass sie es machen möchten. Und dass sie nicht überfordert werden. „Der Wunsch muss immer vom Bewohner aus kommen“, betont Johannes Schirner, Fachdienst Förderstätte und Seniorentagesstätte. Gerade wenn man älter wird, will man auch mal nur seine Ruhe haben. Was so selbstverständlich erscheint, ist es noch nicht lange. Zwar gab es in guten Einrichtungen offene Angebote für Senioren, in Gremsdorf etwa Dienstag nachmittags. Eine Finanzierung dafür gab es nicht. Vieles in Bewegung gebracht in der Betreuung von Menschen mit Handycap hat die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung, die 2006 von der Generalversammlung in New York verabschiedet wurde und 2008 in Kraft getreten ist. Artikel 24 etwa formuliert das Recht auf lebenslange Bildung und Teilhabe. Dennoch ist der Bezirk Mittelfranken einer der wenigen, die die Betreuung für Senioren eigens in ihren Kosten-Sätzen berücksichtigen. Und die Einrichtung der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf war bayernweit eine der ersten, die neben einem Werkstattrat auch einen Förderstättenrat eingerichtet haben. Dort finden auch Menschen, die nicht reden können und stark beeinträchtigt sind, dank Hilfsmittel und gestützter Kommunikation die Möglichkeit ihre Wünsche oder Probleme zu formulieren. Unabhängig vom Alter.

Autor: Brigitte Pich


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