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„Wir legen sehr konservativ an“

Heinrichsblatt-Exklusivinterview mit Finanzdirektor Mathias Vetter zur Anlagestrategie des Erzbistums Bamberg

Bamberg – In den vergangenen Wochen ist in den Medien viel über einen möglichen Verlust von bis zu 50 Millionen Euro für das Bistum Eichstätt berichtet worden. Über die Anlagestrategie des Erzbistums Bamberg führte das Heinrichsblatt ein Exklusivinterview mit dem Finanzdirektor des
Erzbistums Bamberg, Mathias Vetter.

Viele Katholiken waren da über­rascht, dass so etwas möglich ist. Herr Vetter, darf ich Sie bitten
vielleicht einmal die Finanzstrategie des Erzbistums Bamberg zu erläutern.
Finanzdirektor Vetter: Zunächst einmal ist es so, dass wir im Erzbistum Bamberg ein Aufsichtsgremium haben. Das ist der Diözesansteuerausschuss. Dieser hat im Jahr 2010 eine mit externen Beratern erarbeitete Finanzanlagerichtlinie erlassen. Auf Basis dieser Finanzanlagerichtlinie können wir, also der nach dieser Richtlinie eingesetzte Finanzanlageausschuss, Finanzanlagen vornehmen. Diese Richtlinie gibt vor, welche Vermögensanlagen in welchem Mischungsverhältnis möglich sind. Direktanlagen in Aktien nehmen wir beispielsweise nicht vor, sondern in diesem Bereich vor allem in festverzinsliche Wertpapiere. In den für das Erzbistum Bamberg gemanagten Spezialfonds erfolgen aber aus Renditegründen Aktienbeimischungen. Der gesamte Aktienanteil in den Finanzanlagen darf jedoch 30 Prozent des Anlagevolumens des Erzbistums Bamberg nicht überschreiten.
Wir haben jährlich Wirtschaftsprüfer im Haus und das seit den 1980er-Jahren. Seitdem werden auch jährlich die Finanzanlagen im Rahmen einer risikoorientierten Prüfung des Wertpapierbestands und der
Bewertung angesehen. Die Kapitalanlagen des Erzbistums Bamberg werden nach dem strengen Niederstwertprinzip bewertet.

Das Bistum Eichstätt hat sein Geld ja durch Immobiliendarlehen verloren. Wird im Erzbistum Bamberg auch in Immobilien investiert?
Finanzdirektor Vetter: Wir haben natürlich Grundstücke und Gebäude im Anlagevermögen. Aber diese Immobilien auf dem Gebiet des Erzbistums sind im Wesentlichen gemeinwohlorientiert und werden insbesondere für pfarrliche und diözesane Aufgaben genutzt. Wohngebäude befinden sich auch im Bestand. Den Erwerb von Gewerbeimmobilien sehen wir nicht als Anlagebereich an. Finanzanlagen in Form von Immobiliendarlehen hat das Erzbistum Bamberg nicht. Ein geringer Teil unserer Anlagen besteht auch aus Anteilen an Immobilienfonds. Da ist beispielsweise der kirchliche Immobilienfonds Aachener Grundfonds zu nennen, der auch den Pfarreien zur Anlage des Grundstockvermögens genehmigt wird.

Wenn ich einmal zusammenfassen darf: Im Erzbistum Bamberg sind so viele „Sicherungen“ da, durch entsprechende Gremien, die mit Experten besetzt sind, dass man wohl sagen könnte, einen ähnlichen Fall wie in Eichstätt kann man in Bamberg ausschließen.
Finanzdirektor Vetter: Ich kann nicht beurteilen, wie die Verwaltungs- und Aufsichtsstrukturen in Eichstätt waren. Ich bin der Meinung, dass wir mit unseren Strukturen wie Anlagerichtlinien, Finanzanlageausschuss sowie eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die uns kontrolliert, gut aufgestellt sind und von daher können wir solche Vorfälle ausschließen. Natürlich kann und sollte man immer Verbesserungen anstreben, gerade nach solchen Vorfällen.

Als Finanzdirektor des Erzbistums Bamberg müssen Sie natürlich auch auf Zins- und Dividendeneinnahmen schauen, was auch jeder Sparer macht. Einerseits das Geld möglichst sicher anlegen, andererseits soll aber auch etwas dabei raus­springen. Wie gehen Sie da vor?
Finanzdirektor Vetter: Es gilt grundsätzlich das magische Dreieck in den Blick zu nehmen, das heißt „Rendite – Sicherheit – Liquidität“. Eine gewisse Rendite sollte trotz der derzeitigen Niedrigzinsphase erreicht werden, damit wir aus den Erträgen kirchliche Aufgaben finanzieren können. Natürlich steht das im Verhältnis zur Sicherheit. Es gibt da verschiedene Einstufungen bei den Finanzanlagen von „risikoarm“ bis „spekulativ“. Wir legen Vermögenswerte konservativ  also „risikoarm“ an. Als viertes kommt zu dem magischen Dreieck zunehmend das Thema Nachhaltigkeit hinzu. Daher ist es für uns wichtig, dass die Nachhaltigkeitsleitlinien „Ethisch-nachhaltig investieren“, die vom ZdK und dem Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) als Orientierungshilfe verfasst wurden, Grundlage unserer Anlagepolitik sind. Wir empfehlen dies auch unseren Kirchenstiftungen. Es geht darum, Finanzanlagen in Unternehmen oder Länder auszuschließen, die nicht unserer christlichen Grundhaltung entsprechen. So sind beispielsweise Anlagen in Unternehmen der Rüstungs- oder „Suchtmittel“-Industrie tabu. Natürlich gibt es aufgrund der Verflechtungen in der Weltwirtschaft keine absolute Garantie dafür, die nachhaltigen, ethischen Ansprüche vollständig zu erreichen.

Die Vorgänge in Eichstätt haben jüngst auch die in Ingolstadt tagende Deutsche Bischofskonferenz beschäftigt. Kardinal Marx hat da eine erneute Transparenzoffensive angekündigt. Im Erzbistum Bamberg wird seit diesem Jahr nach handelsrechtlichen Grundsätzen gewirtschaftet. Ich war ein wenig überrascht in einer Tageszeitung zu lesen, dass man wohl keinen Überblick darüber hatte, wie viele Bankkonten das Erzbistum Bamberg habe. Ist diese Aussage zutreffend?
Finanzdirektor Vetter: Diese Aussage ist keineswegs zutreffend. Wir waren selbst überrascht, als wir dies in der Presse gelesen haben. Man hat sich da anscheinend nicht umfassend erkundigt. Das Erzbistum Bamberg hatte bereits nach den Vorfällen im Bistum Limburg im Jahr 2014 Zahlen veröffentlicht, das Reinvermögen des Erzbischöflichen Stuhls und des Erzbistum Bamberg. Damals war die kameralistische Rechnungslegung die Grundlage. Bezüglich der Konten haben wir natürlich einen Überblick. Bisher war es so, dass viele unselbstständige Dienststellen als Zuschussempfänger behandelt wurden. Das heißt, sie haben über den Haushalt einen Zuschuss auf ihr Girokonto bekommen und ihre eigene Buchhaltung geführt. Diese Buchhaltungen wurden unter anderem von der Revisionsabteilung auf Ordnungsmäßigkeit geprüft. Die große Aufgabe in der HGB-Welt ist es nun, dass alle Konten und Buchhaltungen in einem Jahresabschluss des Erzbistums Bamberg enthalten sind. Daher werden auch
diese Bereiche über verschiedene Einbindungsszenarien in einen vollumfänglichen Abschluss integriert, so dass ein vollständiges Bild von Vermögen und Verpflichtungen deutlich wird.
Im Jahr 2019 werden wir dann den Jahresabschluss 2018 des Erzbistums Bamberg mit einem ergänzenden Geschäftsbericht veröffentlichen, dies auch für weitere kirchliche Rechtsträger.

Autor: Christoph Gahlau


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