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Erzbistum

Gültigkeit des diözesanen Prozesses bestätigt

Weiterer Schritt zur Seligsprechung Pater Rudolf Lunkenbeins und Simão Bororos


Foto: Seinen Einsatz für die Bororo-Indianer bezahlte Pater Rudolf Lunkenbein mit seinem Leben. Foto: privat

Es ist der 15. Juli 1976, als der Salesianerpater Rudolf Lunkenbein und der Indio Simão Bororo im Kugelhagel bei einer Auseinandersetzung mit Großgrundbesitzern starben. Der Einsatz für die Bororo-Indianer in Brasilien wurde dem gebürtigen Döringstadter zum Verhängnis. Aus seinem Glauben heraus setzte sich Lunkenbein für die Rechte der Indios ein. Als erster Märtyrer im Einsatz für Indios soll der 1939 geborene Pater seliggesprochen werden. Und das seit dem Jahr 2016 laufende Seligsprechungsverfahren ist nun einen großen Schritt weitergekommen: Vor kurzen erklärte die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen in einem Dekret die Gültigkeit des diözesanen Prozesses zur Seligsprechung von Pater Rudolf Lunkenbein und seines Freundes Simão Bororo. Von 2018 bis 2020 hatte die Diözese von Barra do Garças in Brasilien das Leben und Martyrium sowie die Anerkennung der Tugenden und Wunder der Diener Gottes – des deutschen Salesianers Rudolf Lunkenbein und seines Gefährten Simone Cristiano Koge Kudugodu, bekannt unter dem Namen „Simão Bororo“, untersucht. Das Dekret, das vom Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Marcello Semeraro, unterschrieben wurde, bestätigt nun die Vollständigkeit und Gültigkeit der gesammelten Dokumente. Der Generalpostulator der Salesianer Don Boscos, Pater Pierluigi Cameroni, stellte das Dekret vor und unterstrich dabei, dass es ein großer Meilenstein und das Ergebnis einer mit viel Leidenschaft und Kompetenz in der diözesanen Phase geleisteten Arbeit sei. Ein besonderer Dank gelte den Mitgliedern der diözesanen Untersuchungskommission, dem Vize-Postulator Pater Paulo Jácomo Eduardo sowie Pater João Bosco Maciel, für ihr großes Engagement und Dr. Lodovica Maria Zanet für ihre beständige und qualifizierte Zusammenarbeit. Pater Gildásio Dos Santos Mendes, der heutige Generalrat für Soziale Kommunikation und der frühere Provinzial der Provinz Campo Grande, unterstützte den Prozess der Seligsprechung von Anfang an. Er drückte seine Freude wie folgt aus: „Diese Neuigkeit, welche zur Weihnachtszeit kam, ist ein Geschenk für die ganze Kirche, die Salesianische Familie und die indigenen Völker in aller Welt. Es ist auch eine Einladung, weiter für einen guten Ausgang des Prozesses zu beten, und ein Impuls für uns alle, unsere Berufung in der Nachfolge Christi mit Hoffnung zu leben, und das in Treue zu Don Bosco, unserem Vater, der uns mit seinem Beispiel zeigte, dass Heiligkeit das große Ziel unseres Lebens ist.“ Nun wird die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse einen Relator und einen externen Mitarbeiter zur Vorbereitung der „Positio super martyrdom“ ernennen. Diese präsentiert die Untersuchung des Lebens und des Martyriums der Diener Gottes sowie ihr Ruf des Martyriums und die Anzeichen dafür. Respekt und Hochachtung Bei den Bororos wird auch heute noch mit viel Respekt und Hochachtung von Rudolf Lunkenbein gesprochen. Sein Engagement wirkt weiterhin fort. Zwei Jahre war Lunkenbein Mitglied des „Missionsrats für Indigene Völker (CIMI)“, ab 1974 Direktor der „Colônia Indígena de Meruri“. Seine Arbeit für und mit den Bororo-Indianern zeichnete sich dadurch aus, dass er ihnen stets auf gleicher Augenhöhe begegnete und versuchte, die Bororo-Kultur zu verstehen und manche Elemente auch in die Liturgie zu integrieren. 1974 nahmen die Bororos den Salesianerpater sogar in ihren Stamm auf und gaben ihm den Namen „Goldfisch“. Seine Ermordung verfehlte das ursprüngliche Ziel der Großgrundbesitzer, denn die Landvermessung wurde trotzdem durchgeführt. Dass die von ihm initiierte Landvermessung auf Widerstand bei den weißen Siedlern stoßen würde, ahnte Pater Rudolf Lunkenbeim bereits im Mai 1976. In einem Brief an seine Eltern schrieb er damals: „In ein bis zwei Monaten wird das Indianergebiet vermessen und dann wird die ganze weiße Bevölkerung gerichtlich aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. In diesen Tagen kann es dann sein, dass es zu Schüssen kommt, einige haben schon gedroht.“ Und er behielt recht: Am 15. Juli 1976 fuhren etwa 60 Großgrundbesitzer nach Meruri und erschossen Pater Lunkenbein sowie den Indianer Simão. Für die Bororos war der Kampf um ihr Land überlebenswichtig: Als Pater Lunkenbein als Missionar nach Meruri reiste, hatten die Bororos beschlossen, keine Kinder mehr zu bekommen und auszusterben. Sie hatten Angst, ihre Nachkommen nicht mehr ernähren zu können. Grund und Boden waren ihnen größtenteils von den weißen Siedlern genommen worden, die dort Sojabohnenplantagen errichteten. Lunkenbein gab ihnen neue Hoffnung und neuen Mut. An seinem Grab versprachen die Bororos, weiterzuleben. Bis die brasilianische Regierung allerdings die Indianerschutzgebiete freigab, vergingen noch Jahre. Erst 1988 verabschiedete die Bundesverfassung das Recht der Indios auf ihre traditionell besetzten Gebiete. Seitdem hat sich die Lage der Ureinwohner verbessert: Fünf Reservate mit einer Gesamtfläche von etwa 140000 Hektar Land stehen ihnen zu. Außerdem können die Kinder zur Schule gehen, viele Bororos studieren und werden von den Salesianern durch Stipendien gefördert. Begleitend dazu gibt es an der Don Bosco-Universität in Campo Grande ein eigenes Institut zur Erforschung der Kultur indigener Völker. Die Erinnerung an Pater Rudolf Lunkenbein wird in Meruri aufrechterhalten. Pater Gildásio Mendes dos Santos, der Provinzial der Provinz Mato Grosso, schrieb dazu an Pfingsten 2016: „Ich erinnere mich an die Worte eines jugendlichen Bororo, der unter Tränen sagte: ,Pater Rudolf hat unser Volk und unser Land gerettet. Er liebte unsere Kinder. Er hat für uns gekämpft, gerade als wir in großer Gefahr lagen, unser Land, unsere Kultur, unser Leben und unsere Träume zu verlieren‘." Um die notwendigen Unterlagen für die Seligsprechung zu sammeln, waren Salesianerpater Georg Lachnitt und zwei Mitbrüder aus Brasilien vor gut vier Jahren ins Erzbistum Bamberg gekommen. Die drei Ordensleute sichteten im Bamberger Diözesanarchiv eine große Anzahl von Briefen, Zeitungsartikeln und persönlichen Dokumenten. 2018 wurden für den Seligsprechungsprozess auch Zeugenbefragungen in Döringstadt durchgeführt. Zuvor war bei der deutschen Salesianerprovinz in München ebenso geforscht worden wie in Buxheim bei Memmingen, wo Lunkenbeim im Internat der Salesianer Don Boscos lebte, und in Benediktbeuern, wo Lunkenbein Theologie studierte und 1970 die Priesterweihe empfing.

Autor: Andreas Kuschbert/ANS


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