Heinrichsblatt

Erzbistum

Mit ganzer Kraft weitermachen

Alois Berner erhält päpstlichen Silvesterorden beim traditionellen Treffen mit senegalesischen Priestern


Foto: Dorothea Weiler

Statt eine strenge Tagesordnung aufzusetzen, wie hierzulande üblich, hatte Alois Berner (74) aus Saugendorf für den diesjährigen Senegal-Tag in Köttweinsdorf bei Waischenfeld offene Begegnung und lockeren Austausch vorgesehen. „Das Programm sind wir selber“, sagte er zur Begrüßung der senegalesischen Priester, die während der Ferienzeit Priester der Erzdiözese Bamberg vertreten, sowie der Mitglieder der Katho-­lischen Landjugendbewegung (KLJB), von denen der Tag organisiert wird. „Wir wollen unsere Dankbarkeit zeigen gegenüber ­denen, die uns helfen“, stellte er die Verbundenheit mit den während des Urlaubs für die deutschen Mitbrüder einspringenden afrikanischen Priestern heraus. Dass er selbst im Mittelpunkt stehen und das Thema des Tages sein würde, worum sich alles drehte, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Denn auf Grund seiner jahrzehntelangen intensiven Bemühungen um die durch ihn mitbegründete Partnerschaft zwischen der Erzdiözese Bamberg und der Diözese Thiès im Senegal bekam Berner aus der Hand von Erzbischof Dr. Ludwig Schick einen päpstlichen Ritterorden verliehen. Es handelte sich dabei um den Silvesterorden, der von Papst Benedikt XVI. an katholische Laien verliehen wird, die sich durch starkes ehrenamtliches Engagement innerhalb der Kirche verdient gemacht haben. Er gehöre zu den Vätern der Partnerschaft zwischen dem Erzbistum Bamberg und der Diözese Thiès im Senegal und habe die Beziehungen nicht nur auf der Ebene der Diözesen und Landbewegungen gefördert, sondern auch europa- und weltweit, begründete Schick die hohe Ehrenbezeugung, als er Berner das Ritterkreuz ansteckte und ihm die Ernennungs-­urkunde übereichte. „Ritterliche Menschen sind Menschen, die sich und ihre Energie einsetzen für eine bestimmte gute Sache, die zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen dient“, meinte der Erzbischof. Dann wies er, nicht ohne humorvollen Unterton, auf die Privilegien hin, die mit dem Tragen des Ordens verbunden sind – nämlich das Recht, sich eine Silvesteruniform schneidern und ein Silvesterschwert schmieden zu lassen sowie das Recht, auf einem Pferd die Treppen des Petersdoms in Rom hinauf zu reiten. In seiner kurzen Dankansprache meinte Berner das Kleingedruckte der Urkunde in lateinischer Sprache müsse er erst noch lesen. Jedoch sei er sich bewusst, dass zur Ritterschaft auch Pflichten gehörten, weshalb er seinen Einsatz für die deutsch-afrikanische Partnerschaft mit ganzer Kraft weiterführen ­wolle. Vor vier Jahren hatte Schick dem engagierten Saugendorfer bereits die Verdienstmedaille des Erzbistums Bamberg verliehen, woran er bei dem aktuellen Anlass zurück erinnerte. Auch Edmund Pinkelmann, 1. Bürgermeister der Stadt Waischenfeld, der Berner zu seiner Ritterehrung gratulierte, konnte mit der Bürgermedaille in Bronze der Stadt Waischenfeld eine Würdigung ins Feld führen, die er bereits an ihm vorgenommen hatte. Doch damals habe ihn Berner aus Bescheidenheit darum gebeten, die Angelegenheit nicht öffentlich zu machen. „Heute kannst Du Dich der Ehrung nicht entziehen, und wir werden sie unserer Bevölkerung bekannt machen“, sagte Pinkelmann. Und Erzbischof Schick ergänzte dazu, die Nachricht von der Verleihung des Silvesterordens an Berner werde über die päpstlichen Verlautbarungen sogar weltweit verbreitet. Mit einer ungewöhnlichen Hochzeitsreise hatte vor nahezu 50 Jahren Berners Freundschaft mit Afrika begonnen, als er nämlich im Alter von 26 Jahren sechs Tage nach seiner Hochzeit zusammen mit seiner heute 70-jährigen Frau Anna zu einem fünfjährigen Senegal-Aufenthalt aufbrach. Im Auftrag der Katholischen Landvolk-­bewegung (KLB) übernahm er im Senegal die Aufgaben eines Entwicklungshelfers und leitete ein Projekt für ländliche Entwicklung in der Region Fatick. Am Aufbau der dortigen Landvolkbewegung war er maßgeblich beteiligt. Auch während seiner Zeit als Verwalter der katholischen Jugendburg Feuerstein zwischen den Jahren 1971 und 1985 und darüber hinaus pflegte er die Kontakte in den Senegal intensiv weiter und übertrug seine Begeisterung für die deutsch-afrikanische Kirchen- und Völkerverbindung auf viele andere Menschen. An einem Rundgespräch mit Erzbischof Schick, Berner und den senegalesischen Priestern, das ­Michael Kleiner, Weltkirchenbeauftragter im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg moderierte, beteiligte sich auch Bischof Jean-Pierre Bassene aus der Diözese Kolba im Süden Gambiens. Erzbischof Schick hatte ihn tags zuvor zu der Ordensverleihung eingeladen, als er ihn von Köln aus anrief, um ihm mitzuteilen, dass er gerade in Deutschland sei. In seiner Funktion als Vorsitzender der Kommission Weltkirche in der Deutschen Bischofskonferenz trifft Schick regelmäßig einmal im Jahr mit Bassene zusammen, wenn es um die Verwendung der Mittel der Sahel-Stiftung Jean Paul II. für Projekte gegen Hungersnot und Dürre in Afrika geht. Daraus hat sich eine Freundschaft zwischen den Bischöfen entwickelt, und Bassene war kurz vor seiner Rückreise nach Afrika spontan nach Köttweinsdorf gekommen, um das freudige Ereignis mitzufeiern. Während früher Kirchenkontakte wie diejenige zwischen den Diözesen Bamberg und Thiès eher als Patenschaft verstanden worden seien, wobei die deutsche Seite ­ihren Überfluss an Geld, Priestern, Ordensleuten und Laien in die Dritte Welt gebracht hätte, werde Weltkirche heute als Partnerschaft und damit als Geben und Nehmen aufgefasst, sagte Schick im Verlauf des Rundgesprächs. Dies bedeute, auf gleicher Höhe zu stehen und die gegenseitigen Qualitäten zu erkennen und auszutauschen. „Partnerschaft bedeutet, sich erst kennenzulernen, dann für- und miteinander zu beten und schließlich die Gaben auszutauschen“, ­definierte Schick die interdiözesane Beziehungsebene. So tue es beispielsweise den deutschen Gemeinden spürbar gut, zur Vertretung ­ihrer Priester während der Urlaubszeit Vertretungen aus anderen ­Ländern zu Gast zu haben. Und wenn er in andere Diözesen komme, spüre er direkt, ob auch dort ein solcher Austausch bestehe. Denn Schick hat die Erfahrung gemacht: „Diese Gemeinden sind frischer, weil mehr Energie, Hoffnung und Optimismus da ist, denn das sind die Gaben, die wir aus Afrika, Asien und Lateinamerika empfangen.“

Autor: Dorothea Weiler


Zurück

Werbeaktion zum „Sonntag der Kirchenzeitung“

Aktuelle Downloads

Pfarrbriefvorlagen zum Herunterladen

Anzeigen

Märkteverzeichnis zum Herunterladen

Anzeigen

Patenschafts-Abonnement

Unterstützen Sie mit einer Abonnement-Patenschaft bedürftige Mitmenschen...

mehr erfahren

Die besten Leser-Rezepte...