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Clemens II. – der Papst aus Bamberg

Vor 960 Jahren wurde der Bamberger Bischof Suidger zum Papst gewählt / Betrachtung von Erzbischof Ludwig

Das Jubiläum „1000 Jahre Bistum Bamberg“ will vor allem die Gegenwart und Zukunft des Bistums Bamberg in den Blick nehmen. Dabei soll aber auch die Vergangenheit betrachtet werden. Denn wer um seine Herkunft weiß, kann seine Zukunft gestalten. Nach einem Artikel über die Heiligen Heinrich und Kunigunde wird in dieser Ausgabe Papst Clemens II. vorgestellt. Er gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Bamberger Bistumsgeschichte. Erzbischof Dr. Ludwig Schick hat im vergangenen Sommer die wichtigsten Orte seines Lebens besucht und stellt sein Leben und Wirken vor:

Suidger war adeliger Herkunft und stammte ursprünglich aus dem östlichen Niedersachsen, genauer gesagt aus der Gegend um Hornburg südlich von Braunschweig. Um dem großen Sohn ihrer Stadt ein Denkmal zu setzen, wurde die moderne Diasporakirche in Hornburg dem Märtyrerpapst Clemens I. geweiht. Wann Suidger genau geboren wurde, ist unbekannt. Jedenfalls entschied er sich früh für den geistlichen Stand. Seine Familie verfügte auch über die nötigen Beziehungen: Sein Onkel war Erzbischof von Magdeburg, sein Bruder war dort Domherr und vermutlich handelt es sich bei Bischof Suidger von Münster um einen weiteren Onkel des späteren Papstes. Suidger gehörte bald dem Domkapitel seiner Heimatdiözese Halberstadt an.

1040 Bischof von Bamberg

Als im Jahr 1032 der Halberstädter Dompropst Hermann Erzbischof von Hamburg und Bremen wurde, nahm er Suidger mit an die Nordseeküste. Der fähige junge Geistliche aus der Umgebung des Erzbischofs fiel König Konrad II. auf, der ihn 1035 in seine Hofkapelle berief, was damals eine entscheidende Stufe auf dem Weg zum Bischofsamt war. Nach dem Tod von Kaiser Konrad II. war Heinrich III. nachgerückt. Er schlug Suidger für den Bischofsstuhl von Bamberg vor, als Eberhard, der erste Bamberger Bischof, gestorben war. Zwar wurden die Bischöfe von den jeweiligen Domkapiteln bestimmt. Diese konnten es sich aber kaum erlauben, Personalvorschläge des Königs zu ignorieren. So wurde Suidger im Jahr 1040 zum Bischof von Bamberg gewählt. Die Bischofsweihe empfing er am Sonntag nach Weihnachten des gleichen Jahres in Münster durch den für Bamberg zuständigen Metropoliten, Erzbischof Bardo von Mainz. Auch in der Folgezeit hielt er sich häufig beim König auf. Durch dieses System der Bischofsberufungen aus der Hofkapelle war eine gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Reich gewährleistet; die Bischöfe kannten sich untereinander und die Bistümer wurden mit fähigen Männern besetzt. Bamberg war damals ein wichtiges kulturelles Zentrum. Die Domschule bildete einen großen Teil der späteren Führungskräfte der deutschen Kirche aus und einige Bamberger Domherren sind später Bischöfe der Reichskirche geworden.

Im September des Jahres 1046 reiste der deutsche König Heinrich III. mit einem großen Gefolge nach Rom, um sich zum Kaiser krönen zu lassen. Damals gaben sich gleich drei Personen als Papst aus. Durch Ämterkauf und Parteikämpfe des römischen Adels waren Benedikt IX., Silvester III. und Gregor VI. zu ihren Ämtern gekommen und stritten, wer der rechtmäßige Papst sei. Heinrich III. wollte diesem unerträglichen Zustand ein Ende machen. Bevor er in Rom ankam, bewegte er deshalb Gregor VI. und Silvester III. auf einer Synode, die in dem Städtchen Sutri kurz vor Rom statt fand, zum Amtsverzicht und ließ tags darauf in Rom Benedikt IX. für abgesetzt erklären. Damit machte er den Weg frei für die Wahl des Bamberger Bischofs Suidger zum Papst. Schon in Sutri war eine Vorabsprache über dessen Kandidatur erfolgt. Eine derartige Einmischung des weltlichen Herrschers in kirchliche Belange wurde damals nicht von vorneherein als negativ angesehen – ganz im Gegenteil nahm der König damit seine Verantwortung gegenüber Kirche und Christenheit wahr. Wie der heilige Kaiser Heinrich II. betrachtete sich auch Heinrich III. als Statthalter Christi auf Erden. Er achtete aber die damalige Ordnung der Papstwahl, die dem römischen Klerus vorbehielt, den Papst zu wählen. Er rief die Bischöfe, Priester und Diakone im Petersdom zusammen und ließ sie den Bamberger Bischof Suidger, der zu seinem Gefolge gehörte, zum Papst wählen. Der deutsche Bischof auf dem Stuhl Petri sollte sowohl die Reformbemühungen in Rom unterstützen als auch die Verbindung zwischen dem deutschen Reich und dem Papsttum stärken. Bischof Suidger nahm nur widerstrebend die Wahl an. Er wollte in Bamberg bleiben, das er über alles liebte, wie ein Brief von ihm beweist. Den neuen Papst zeichneten neben seinen persönlichen Fähigkeiten auch die ideelle Bindung seiner Bischofsstadt an Rom aus sowie der Umstand, dass sein Vorgänger, Bischof Eberhard, lange Jahre Kanzler für Italien gewesen war. Die Italiener kannten Bamberg, und Bamberg hatte in Rom einen Namen. Nach seiner Amtseinführung krönte der neue Papst am Weihnachtstag Heinrich III. zum Kaiser und seine Frau Agnes zur Kaiserin.

1046 zum Papst gewählt

Im Jahr des Bistumsjubiläums jährt sich zum 960sten Mal die Wahl des Bamberger Bischofs Suidger zum Papst. Am Heiligen Abend des Jahres 1046 wurde der zweite Bischof von Bamberg zum Papst bestimmt und wählte den Namen Clemens II. Bereits ein dreiviertel Jahr danach, am 9. Oktober 1047, starb er im Benediktinerkloster Montelabbate. Trotz der kurzen Regierungszeit bildet sein Pontifikat so etwas wie eine Wegmarke in der Kirchengeschichte: Mit seiner Wahl ging das so genannte „saeculum obscurum“ zu Ende. Das Papsttum konnte sich aus den Rivalitäten des stadtrömischen Adels befreien. Mit Suidger wurde kein Spross einer noblen römischen Familie, sondern ein Vertreter der Weltkirche zum Nachfolger Petri bestimmt, der erste von vier aufeinander folgenden deutschen Päpsten. Clemens II. behielt das Bistum Bamberg auch als Papst bei und ließ sich nach seinem Tod in seiner Kathedrale bestatten. Der Bamberger Dom ist daher der einzige in ganz Deutschland, der ein Papstgrab besitzt.

Als Papst wählte Suidger bewusst den Namen Clemens, womit er an den Märtyrerpapst der Urkirche Clemens I. anknüpfen wollte. Es war sein Ziel, die Kirche nach dem Vorbild der Urchristenheit zu erneuern. So lange Papst und Kaiser gemeinsam in Rom weilten, trafen sie dort auch gemeinsam wichtige Entscheidungen für die Reichskirche. Im Bereich der innerkirchlichen Reformen war dem neuen Papst aber nur wenig mehr als ein erster Anfang möglich. Er hielt unmittelbar nach seiner Amtseinführung im Januar 1047 in Rom eine bedeutende Reformsynode mit wichtigen Bestimmungen gegen den Ämterkauf in der Kirche und andere Missstände ab. Aus seiner Amtszeit haben sich auch nur wenige Urkunden erhalten. Eine davon bestätigt und schützt die Rechte des Klosters Michelsberg in Bamberg.

Noch im ersten Monat seines Pontifikats begleitete Papst Clemens II. den neu gekrönten Kai-ser nach Süditalien und zog mit diesem auch ein ganzes Stück des Weges zurück Richtung Deutschland. Die Rückreise führte an der Adriaküste entlang. Offenbar taufte Papst Clemens II. in Ravenna die Tochter des Kaisers, bevor er sich von diesem verabschiedete und sich auf den Rückweg nach Rom machte. Wahrscheinlich schaffte er es gar nicht mehr in die Ewige Stadt, sondern verbrachte die restlichen Monate seines Lebens aus Krankheitsgründen in S. Tommaso in Foglia, einem Benediktinerkloster in den Marken, nahe der Stadt Pesaro.

Spätestens ab dem 24. September muss er sich dort aufgehalten haben, denn von diesem Tag stammt eines der ergreifendsten Dokumente der Geschichte unseres Bistums: Der bereits auf dem Sterbebett liegende Papst bestätigte der Diözese Bamberg in einer Art Abschiedsbrief ihre Besitzungen. Einleitend blickt er dabei zurück auf sein Leben und nimmt auf Gott Bezug, der als Herr der Himmel die Zeiten in Gang setzt und das Schicksal der Menschen bestimmt. Clemens II. erneuert das Schutzversprechen des Heiligen Stuhls für sein Bistum. Als Zweck dieser Güterbestätigung nennt er: „Damit du in deinen Söhnen und Töchtern immer Gott ergeben dienst“. In dieser sehr persönlich gehaltenen Urkunde, die von echtem Heimweh zeugt, be-zeichnet Clemens Bamberg als seine geliebte Braut, von deren Seite er durch die Erhebung zum Papst gegen seinen Willen weggerissen worden sei.

Todestag: 9. Oktober 1047

Er starb am Dionysiustag, dem 9. Oktober 1047. Zunächst wurde er in S. Tommaso in Foglia beigesetzt, wo seine ehemalige Grabstätte noch heute gezeigt wird. Später wurde der Leichnam seinem Wunsch gemäß nach Bamberg überführt, dort in Pontifikalgewänder gekleidet und im Westchor des Domes beigesetzt. Diese einzigartigen Papstgewänder sind im Diözesanmuseum ausgestellt. Der Sarkophag des Papstes zeigt auf den Längsseiten die Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Maß, Stärke und Klugheit sowie wahrscheinlich einen personifizierten Paradiesfluss. Auf den Schmalseiten ist Johannes der Täufer sowie die Sterbeszene des Papstes zu sehen.

Zeitweise wurde am Grab im Bamberger Dom Clemens II. die Verehrung eines Heiligen gezollt. Er ist aber nie heilig gesprochen worden. Papst Leo IX., der das Grab im Oktober 1052 besuchte, verlieh der Bamberger Kirche verschiedene Privilegien; so durften an bestimmen Festtagen manche Domherren eine Mitra und der Bischof das Pallium, jenes liturgische Zeichen, das die besondere Verbundenheit mit Rom zum Ausdruck bringt, tragen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich später die so genannte Exemption Bambergs, das heißt die direkte Unterstellung des Bistums unter den Papst. Auch nach der Säkularisation wurde die besondere Beziehung Bambergs zum Apostolischen Stuhl unterstrichen, indem das Bistum zum Erzbistum erhoben wurde. Die zwei nordbayerischen Bistümer Eichstätt und Würzburg, sowie das rheinpfälzische Bistum Speyer, das 1817 zu Bayern gehörte, sind ihm zugeordnet. Nach der heutigen liturgischen Ordnung tragen alle Erzbischöfe und nur diese sowie der Papst das Pallium.

Von Anfang an hat das Bistum Bamberg eine besondere Beziehung zu Rom und dem Apostolischen Stuhl. Heinrich II. war mit den Päpsten seiner Zeit eng verbunden. Benedikt VIII. besuchte ihn in Bamberg und weihte dabei die Stiftskirche St. Stephan ein. Etwa vierzig Jahre nach der Bistumsgründung stellte Bamberg einen Papst, Clemens II. Auch in der Folgezeit stand Bamberg stets in besonderer Beziehung zum Apostolischen Stuhl. Der erste Patron der Domkirche ist der heilige Petrus, was auch auf die besondere Beziehung zu Rom hinweist. Die Bamberger Kathedrale ist auch Päpstliche Basilika. Alljährlich wird im Bamberger Dom am Sonntag nach dem Papstwahltag der Papstsonntag begangen.

Die Verbundenheit der Ortskirchen mit dem Zentrum der Weltkirche gehört zu den Wesenselementen unseres katholischen Glaubens. Immer dann, wenn dieses Band der Geschwisterlichkeit intensiv gepflegt wurde, konnten beide Seiten davon profitieren. Das hat sich auch im Fall von Bamberg im Laufe der Geschichte immer wieder gezeigt.

Autor: hbl


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