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Verbände: Ankerzentren sind ein Irrweg

Menschenrechtsorganisationen, Flüchtlingsvereine und Wohlfahrtsverbände veröffentlichen einen gemeinsamen Appell

 

 

Nürnberg/München - Die Diakonie in Bayern, Caritas, ProAsyl, der Bayerische Flüchtlingsrat und zahlreiche andere Organisationen haben am heutigen Donnerstag die Abschaffung der Anker-Zentren für Geflüchtete gefordert. Die vor drei Jahren eingeführten Ankerzentren oder vergleichbare Einrichtungen hätten das Ziel nicht erreicht, Asylverfahren wesentlich zu beschleunigen, hieß es. Die Unterbringung sei ein „Irrweg“, weil sie die Menschenwürde verletze, Isolation fördere und auf Abschiebung orientiert sei. Die Verbände fordern „eine gute Erstaufnahme“.
Statt Anker-Zentren fordern die Organisationen eine gesetzliche Höchstaufenthaltsdauer von drei Monaten in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Dort müsse das Ankommen der Menschen im Mittelpunkt stehen und sie müssten auf das Asylverfahren und den Aufenthalt in Deutschland vorbereitet werden. Der neue Bundestag müsse die Voraussetzungen dafür schaffen, so der Appell, dem sich nach Angaben des Bayerischen Flüchtlingsrats 65 Gruppen angeschlossen hätten.
Die Asylverfahren würden in Anker-Zentren ebenso lang wie in allen anderen Erstaufnahmeeinrichtungen dauern, heißt es in der Mitteilung. Nur genügend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) könnten die Verfahren beschleunigen.
Sabine Lindau, Vorständin der Diakonie Bayern, zuständig für Flucht, Migration und Integration, erklärte, Kinder könnten oft meist keine regulären Schulen oder Kindertagesstätten besuchen. Außerdem hätten derzeit nur Geflüchtete aus Syrien, Eritrea und Somalia Anspruch auf Sprach- und Integrationskurse. Lindau bemängelt auch das medizinische Niveau in den Zentren: „Fachärztliche Behandlung, die Behandlung chronischer Erkrankungen oder psychischer Belastungen finden nicht oder nur eingeschränkt statt“, stellte sie fest.
Der Aufenthalt in den Anker-Zentren zermürbe die Menschen, die dort über lange Monate und Jahre untergebracht seien, so der Flüchtlingsrat. Bis zu 1500 Geflüchtete müssten sich in manchen Anker-Zentren Mehrbettzimmer, sanitäre Anlagen und Gemeinschaftsräume teilen. Sie hätten keine Privatsphäre und seien unter ständiger Kontrolle und Überwachung durch Sicherheitsdienste und Polizei. Kantinenessen, das Sachleistungsprinzip und die Residenzpflicht schränkten die Selbstbestimmung und die Bewegungsfreiheit der Menschen massiv ein.
Das Anker-Zentrum in München habe seine Kapazitätsgrenze erreicht, berichtete Andrea Betz, Vorständin bei der Diakonie München und Oberbayer. „Eine Privatsphäre gibt es für die hier lebenden Menschen kaum, und dies ist, angesichts der individuellen Erfahrungen und der dauernden Angst vor einer Corona-Infektion, besonders belastend.“ Leidtragende seien wieder Kinder und Jugendliche.
Die Verbände kritisieren auch, dass ehrenamtliche Unterstützer, Freunde und Angehörige nur schwer Zugang zu den Anker-Zentren erhielten. Arbeiten dürften die Geflüchteten in den ersten neun Monaten des Aufenthalts nicht. Sie erlebten Abschiebungen anderer Geflüchteter, lebten in ständiger Angst und würden retraumatisiert.
Am 1. August 2018 ist in Bamberg das erste Anker-Zentrum in Bayern eröffnet worden.

 

Verbände: Ankerzentren sind ein Irrweg - (Zusammenfassung, neu: mehr Details, Bayerischer Flüchtlingsrat) =

 

Menschenrechtsorganisationen, Flüchtlingsvereine und Wohlfahrtsverbände haben einen gemeinsamen Appell veröffentlicht: Die Anker-Zentren sollten abgeschafft werden.

 

Nürnberg/München (epd). Die Diakonie in Bayern, Caritas, ProAsyl, der Bayerische Flüchtlingsrat und zahlreiche andere Organisationen haben am Donnerstag die Abschaffung der Anker-Zentren für Geflüchtete gefordert. Die vor drei Jahren eingeführten Ankerzentren oder vergleichbare Einrichtungen hätten das Ziel nicht erreicht, Asylverfahren wesentlich zu beschleunigen, hieß es. Die Unterbringung sei ein «Irrweg», weil sie die Menschenwürde verletze, Isolation fördere und auf Abschiebung orientiert sei. Die Verbände fordern «eine gute Erstaufnahme».

 

   Statt Anker-Zentren fordern die Organisationen eine gesetzliche Höchstaufenthaltsdauer von drei Monaten in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Dort müsse das Ankommen der Menschen im Mittelpunkt stehen und sie müssten auf das Asylverfahren und den Aufenthalt in Deutschland vorbereitet werden. Der neue Bundestag müsse die Voraussetzungen dafür schaffen, so der Appell, dem sich nach Angaben des Bayerischen Flüchtlingsrats 65 Gruppen angeschlossen hätten.

 

   Die Asylverfahren würden in Anker-Zentren ebenso lang wie in allen anderen Erstaufnahmeeinrichtungen dauern, heißt es in der Mitteilung.

Nur genügend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) könnten die Verfahren beschleunigen.

 

   Sabine Lindau, Vorständin der Diakonie Bayern, zuständig für Flucht, Migration und Integration, erklärte, Kinder könnten oft meist keine regulären Schulen oder Kindertagesstätten besuchen. Außerdem hätten derzeit nur Geflüchtete aus Syrien, Eritrea und Somalia Anspruch auf Sprach- und Integrationskurse. Lindau bemängelt auch das medizinische Niveau in den Zentren: «Fachärztliche Behandlung, die Behandlung chronischer Erkrankungen oder psychischer Belastungen finden nicht oder nur eingeschränkt statt», stellte sie fest.

 

   Der Aufenthalt in den Anker-Zentren zermürbe die Menschen, die dort über lange Monate und Jahre untergebracht seien, so der Flüchtlingsrat. Bis zu 1.500 Geflüchtete müssten sich in manchen Anker-Zentren Mehrbettzimmer, sanitäre Anlagen und Gemeinschaftsräume teilen. Sie hätten keine Privatsphäre und seien unter ständiger Kontrolle und Überwachung durch Sicherheitsdienste und Polizei.

Kantinenessen, das Sachleistungsprinzip und die Residenzpflicht schränkten die Selbstbestimmung und die Bewegungsfreiheit der Menschen massiv ein.

 

   Das Anker-Zentrum in München habe seine Kapazitätsgrenze erreicht, berichtete Andrea Betz, Vorständin bei der Diakonie München und Oberbayer. «Eine Privatsphäre gibt es für die hier lebenden Menschen kaum, und dies ist, angesichts der individuellen Erfahrungen und der dauernden Angst vor einer Corona-Infektion, besonders belastend.» Leidtragende seien wieder Kinder und Jugendliche.

 

   Die Verbände kritisieren auch, dass ehrenamtliche Unterstützer, Freunde und Angehörige nur schwer Zugang zu den Anker-Zentren erhielten. Arbeiten dürften die Geflüchteten in den ersten neun Monaten des Aufenthalts nicht. Sie erlebten Abschiebungen anderer Geflüchteter, lebten in ständiger Angst und würden retraumatisiert.

 

Am 1. August 2018 ist in Bamberg das erste Anker-Zentrum in Bayern eröffnet worden.

Autor: epd


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