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„Es ist wichtig, dass wir präsent bleiben“

Bildungsangebote in Corona-Zeiten


Foto: Kathi Petersen ist Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin der KEB in Nürnberg. Foto: buc

Corona hat auch die Arbeit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in den vergangenen Monaten erheblich beeinträchtigt. Wie sich die Einschränkungen organisatorisch und inhaltlich auswirken, wie der aktuelle Stand ist und was an der Situation möglicherweise auch positiv sein kann, schildert die Nürnberger KEB-Geschäftsführerin Kathi Petersen im Gespräch mit dem Heinrichsblatt.

Frau Petersen, wie ist die aktuelle Corona-Lage? Petersen: Es ist natürlich schwieriger geworden, weil wir uns an Hygienemaßnahmen und ähnliches halten müssen. Aber wir sind froh, dass es nicht wieder so einen absoluten Lockdown gab wie im Frühjahr. Wir können nicht alles machen, was wir machen wollen. Das geht anderen ganz genauso. Wir hoffen, dass wir nicht dauerhaft mit der Pandemie leben müssen.

Was kann zurzeit stattfinden und in welchem Rahmen? Petersen: Bildungsveranstaltungen dürfen stattfinden – mit Abstandsregeln und Auflagen, die man berücksichtigen muss und die wir auch einhalten. Einiges haben wir abgesagt, weil die Leute, die möglicherweise kämen, zu stark gefährdet wären. Eine Veranstaltung zum Thema Inklusion etwa kann man in diesen Zeiten nicht machen. Einen Film zu zeigen, geht nicht.

Wie sieht es in den Pfarreien mit KEB-Angeboten aus? Petersen: Dort findet gegenwärtig kaum etwas statt, weil die Räumlichkeiten für Veranstaltungen unter Corona-Auflagen nicht geeignet sind. Viele sind auch ängstlich und sagen: Wir wollen kein Risiko eingehen, dass sich irgendjemand ansteckt. Wir selbst machen viele Veranstaltungen im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus, die haben ein gutes Hygienekonzept. Und es gibt auch noch die Selbstverantwortung der Menschen: Sie kennen die Rahmenbedingungen, achten auf den Abstand. Das funktioniert.

Wie reagieren die Leute auf diese Situation? Petersen: Ganz unterschiedlich. Wir machen alle Veranstaltungen mit Anmeldung, damit wir die Teilnehmerzahl nicht übersteigen. Manche kommen nicht, weil sie in diesen Zeiten lieber zu Hause bleiben, verständlicherweise. Andere sind sehr froh erleichtert, dass etwas stattfindet, dass sie rauskönnen. Sie sagen, uns fällt daheim die Decke auf den Kopf.

Trotz oder gerade wegen Corona: Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte? Petersen: Unser Jahresthema „Zukunft der Arbeit“ gewinnt durch die Pandemie neue Brisanz. Die Transformation der Arbeitswelt schreitet voran, die Digitalisierung. Man sieht auch deutlicher, wie abhängig wir durch die Globalisierung voneinander sind. Und welche Arbeitsverhältnisse auch bei uns existieren, Stichwort Tönnies und Fleischindustrie. Das ist aber nicht das einzige. Insgesamt lässt sich sagen: Corona hat Probleme verschärft, die vorher schon da waren. Jetzt treten sie deutlicher zutage.

Was bedeutet ein Dreivierteljahr Covid-19 für die KEB finanziell und organisatorisch? Petersen: Finanziell muss man mal sehen. Wir haben weniger Veranstaltungen, weniger Teilnehmer – das heißt auch weniger Teilnehmerlehreinheiten, nach denen sich die staatlichen Zuschüsse bemessen. Aber so wie es jetzt ausschaut, werden wir die Zuschüsse nach den Teilnehmerzahlen von 2019 bekommen. Das heißt, es würde uns nicht so hart treffen. Natürlich haben wir höhere Kosten als sonst. Es fallen Veranstaltungen aus, zum Teil sind da Stornogebühren fällig. Wir brauchen größere Räume als sonst, die kosten natürlich mehr Miete.

Ist die Bildung insgesamt bedroht? Petersen: Die Gefahr ist schon, dass Bildung zunehmend aus dem Bewusstsein verschwindet. Wie relevant ist was? Das ist ja ein Thema, das gerade in dieser Zeit diskutiert wird. Kultureinrichtungen werden einfach so geschlossen, ohne dass es Alternativen gibt. Wie relevant ist Bildung? Wir sind froh, dass wir Veranstaltungen machen dürfen. Aber die Diskussion, was relevant ist, im gesellschaftlichen und sozialen Leben, müssen wir verstärkt führen – auch über Corona hinaus. Da ist es mir wichtig, dass wir präsent bleiben.

Gibt es auch Positives, das man aus der Zeit ziehen kann? Petersen: Wir konnten einige Dinge machen, bei denen ich am Anfang skeptisch war, etwa das Kulturdolmetscher-Projekt. Das wurde von der KEB München-Freising entwickelt und nun bayernweit durchgeführt. Wir konnten es in Nürnberg als Präsenzveranstaltung durchführen. Die Teilnehmer waren sehr motiviert. Jetzt schauen wir mal, dass wir die Kompetenzen für die Gemeinden nutzen können, damit aus dem Nebeneinander ein Miteinander wird. Zudem haben wir in Kooperation mit dem CPH eine neue Veranstaltungsform konzipiert, die „Theologischen Hofgespräche“. Da kommen sowohl kirchlich engagierte Menschen als auch solche, die etwas größere Distanz haben. Das ergibt sehr interessante Gespräche.

Was war Ihr persönlicher „Lichtblick“ in dieser Zeit? Petersen: Es gab mehrere. Besonders aber die Jubiläumsveranstaltung im September zu 50 Jahren KEB in der Erzdiözese, gerade auch die Chansons von Alexandra Völkl. Das fand ich toll. Die Veranstaltung hat sehr gut funktioniert. Zugleich konnte man sich vergewissern: Was machen wir hier eigentlich, wer sind wir, wie sind wir unterwegs? 

Autor: Bernd Buchner


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