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Ostern – Quelle des neuen Lebens

Betrachtung zum Osterfest von Erzbischof Dr. Ludwig Schick

Ostern ist das Hauptfest der Christenheit. Ohne Ostern gäbe es kein Christentum und keine Kirche. Ohne die Auferstehung Christi wäre unser Glaube nicht nur „leer“, wie der Apostel Paulus schreibt (vgl. 1 Kor 15,14), sondern er würde nicht existieren.
Nach dem Tod Jesu am Kreuz und seiner Grablegung kehrten die meisten Apostel von Jerusalem nach Galiläa zurück und nahmen wieder ihre alten Berufe auf; sie gingen fischen oder betätigten sich als Handwerker. Andere blieben in Jerusalem, um sich erst einmal nach dem Karfreitagsschock zu fangen und sich dann neu zu orientieren.
Die Emmausjünger waren nach der Kreuzigung Jesu in Jerusalem ebenfalls auf dem Weg zurück in ihr Dorf, weil alles vorbei schien mit Jesus und seinem Neubeginn. Doch dann erschien der Auferstandene den Frauen am Grab, den Aposteln am See Genezareth oder in Jerusalem hinter verschlossenen Türen, den Jüngern auf dem Weg oder in der Stadt. Mit der Erscheinung des Auferstandenen und der Sammlung der zerstreuten Apostel und Jünger, der Frauen und Männer, die ihm gefolgt waren, begann die Verkündigung Jesu Christi und seines Evangeliums, wuchs der Glaube und entstand die Kirche.
Ostern – Fest der Feste
Ostern ist das Ursprungs- und Hauptfest der Christenheit. Deshalb wurde es von Anfang an mit besonders vielen liturgischen Feiern und bildreichen Symbolen umgeben. Das Licht des Osterfeuers und der Osterkerze gehören dazu; der Auferstandene Christus ist das Licht der Welt!
Ostern wird im Frühjahr nach der ersten Mondwende gefeiert, wenn die Tage länger werden und es mehr und mehr Sonnenschein gibt; das Licht des Auferstandenen soll die Erde und den ganzen Kosmos erfüllen! Zu Ostern gehören die Osterhasen und die Ostereier. Sie sind Symbole für das neue Leben. Die Hasen bringen mit einem Wurf besonders viel Nachwuchs zur Welt und die Ostereier zeigen das baldige Schlüpfen der Küken an, die als Boten des Frühjahrs und des neuen Lebens gelten; der Auferstandene ist das Leben der Welt! Die Osterglocken und andere Frühjahrsblumen sowie das frische Grün der Bäume und Sträucher künden das Erwachen des Lebens in der Natur an.
Wasser ist Leben
Zu den Symbolen des Osterfestes gehört vor allem das Wasser. Es ist der Urgrund des Lebens. Ohne Wasser gibt es kein Leben, ohne Wasser kann sich kein Leben entwickeln und erhalten, ohne Wasser stirbt alles Leben. Deshalb sprechen wir vom Fruchtwasser, in dem sich jedes Kind im Mutterleib entwickelt. Ohne Wasser ist Wüste und breitet sich die leblose Dürre aus. Wir sagen auch zueinander: „Viel trinken ist wichtig“ und fragen besonders ältere Menschen: „Hast Du heute schon genug getrunken?“ Wasser ist Leben, Wassermangel bringt Tod!
Wir wissen derzeit mehr als früher, dass die Wasservorräte auf der Erde knapp werden und dass das Wasser vielerorts in Gefahr ist, durch Chemikalien, Industrieabfall und Müll verschmutzt und unbrauchbar zu werden. Eine Milliarde Menschen hat heute schon keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, für viele weitere wird Wasser immer schwerer erreichbar.
An Ostern wird in der Liturgie und durch die Volksfrömmigkeit deutlich, dass das Wasser der Urquell des neuen Lebens ist, das in der Auferstehung Jesu seinen Ursprung hat. Ich bin das lebendige Wasser, sagt Jesus von sich und fügt hinzu: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt“ (vgl. Joh 4,14).
Durch das Wasser, das in der Osternacht geweiht wird, wird das Leben des Auferstandenen in der Taufe auf die Menschen übertragen. Durch die Taufe beginnt das Leben der Christen, das die ganze Welt erneuern soll. Das Osterwasser wird als Weihwasser nach Hause gebracht. Mit ihm bekreuzigen und segnen die Menschen sich und auch ihre Tiere, die Häuser und die Gärten sowie die Gräber der Verstorbenen als Zeichen und Bitte, dass das neue unsterbliche Leben sich überall entfalten möge.
Auch die schön geschmückten fränkischen Osterbrunnen weisen mit Blumen, frischem Grün, bunten Ostereiern etc. auf das Leben hin, das von Ostern aus­geht.
Getauft und gesendet
Im Erzbistum Bamberg haben wir in diesem Jahr das Motto gewählt: „Getauft und gesendet!“ Bei der Taufwasserweihe in der Osternacht wird die Osterkerze, Symbol für den auferstanden Jesus Christus, in das Tauf- und Osterwasser hineingesenkt. Unser Glaube lehrt uns, dass er das Leben ist, und wer mit ihm verbunden wird, empfängt das neue Leben der Auferstehung.
Das Tauf- und Osterwasser wird zur Quelle des neuen Lebens durch das Einsenken der Osterkerze. So werden sie quasi Medium, die das Leben des Auferstandenen übertragen. Das Taufwasser wird auf die Täuflinge gegossen und so symbolisch dargestellt, dass die Taufe das Leben Christi, des Auferstandenen, auf den Täufling überträgt.
Das Osterwasser mit dem sich die Getauften bekreuzigen, soll an ihre Taufe und das himmlische Leben erinnern, das sie empfangen haben. Wenn damit auch die Tiere, Häuser, Gärten und Gräber gesegnet werden, ist das Ausdruck dafür, dass mit allen Menschen auch die ganze Schöp­fung zur Herrlichkeit des neuen Lebens
berufen ist, wie der Apostel Paulus im Römerbrief schreibt: „Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21).
Worin besteht das neue Leben, das der Auferstandene schenkt? Es ist ein Leben der ‚Freiheit‘, nicht für Laisser-faire oder Zügellosigkeit, sondern Freiheit von Sünde für die Gerechtigkeit, den Frieden und die Liebe.
Das neue Leben, das der Auferstandene schenkt, ist ein Leben in Vertrauen und Hoffnung, des kraftvollen Einsatzes für die Nächsten sowie für das Wohlergehen und Heil der ganzen Menschheit.
Das neue Leben erfahrbar machen
Jeder Getaufte ist gesendet, dieses neue Leben auszubreiten in Wort und Tat. Deshalb lade ich Sie und Euch alle im Jahr 2019 ein, ganz besonders Ostern, die Osternacht mit Taufwasser- und Osterwasserweihe sowie das ganze Osterfest bewusst mitzufeiern. Nehmen Sie an der Tauferneuerung teil, die darin besteht, dem Bösen zu widersagen und dem Glauben zuzustimmen und das christliche Leben zu bekräftigen. Vergessen Sie nicht, glauben ist ein Tuwort! Der Glaube soll getan werden. Wenn wir bekennen, dass wir an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde glauben, dann bedeutet das, dass wir mit dem Schöpfer seine Schöpfung ehren; ehren heißt, alles, was Gott geschaffen hat, lieben und bewahren mit allen Möglichkeiten, die uns gegeben sind.
Wenn wir an Gott, den Vater, glauben, dann beten wir zu ihm und danken ihm; im Beten, Danken und Lobpreis bewahren wir das Vertrauen auf Gottes Vorsehung und Fügung, die unser Leben lenken und leiten und zur Vollendung führen.
Wenn wir an Jesus Christus glauben, an sein heilbringendes Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen, dann folgen wir ihm; wir erfüllen auch seine Gebote, die im Hauptgebot der Gottes- und der Nächstenliebe zusammengefasst sind; wir vertrauen darauf, dass er unsere Sünden vergibt und uns zum ewigen Leben führt.
Wenn wir an den Heiligen Geist glauben, dann tun wir, was der Geist uns eingibt, in unserem Gewissen, in unserem Verstand und durch die Gespräche mit unseren geisterfüllten Mitmenschen.
Wenn wir an die Auferstehung und das ewige Leben glauben, dann befassen wir uns auch mit dem Tod, machen unser Testament zur rechten Zeit, ordnen alle unsere zeitlichen Dinge, leben in Versöhnung mit unseren Mitmenschen, damit wir in Frieden mit allen sterben und im Gericht bestehen können. Wenn wir an die Gemeinschaft der Heiligen glauben, dann nehmen wir sie uns als Vorbild und erwarten die ewige Gemeinschaft mit ihnen.
Ostern mit allen Sinnen feiern
Ostern mit allen liturgischen Feiern, allen voran die Osternacht, sowie mit den vielen Symbolen, ganz besonders dem Symbol des Wassers, der Taufe und des Weihwassers, ist das Fest aller christlichen Feste. Mit der Auferstehung Jesu hat das neue Leben begonnen, das uns in der Taufe geschenkt wird, das uns Freiheit, Friede und Freude, Vertrauen und Hoffnung schenkt. Unsere Sendung als Christen besteht darin, dieses neue Leben allen Menschen mitzuteilen.
Feiern Sie Ostern mit allen Sinnen, mit Glaube und Vernunft!

So wünsche ich Ihnen ein gesegnetes froh machendes Osterfest, das dem neuen Leben als Christinnen und Christen Kraft, Inspiration und Ermutigung schenkt.
 
Ihr Erzbischof
Dr. Ludwig Schick

Autor: Erzbischof Ludwig Schick


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