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„Wir brauchen ein Siegel, das überprüfbar ist“

Workshop und Protestaktion von kirchlichen Gruppen gegen Arbeitsbedingungen in der Spielwarenindustrie


Foto: Christoph Gahlau

Nürnberg – Computerpapier liegt auf dem Boden in einem Seminarraum im vierten Stock des Hauses Eckstein in Nürnberg. Darauf geschrieben sind die unterschiedlichen Lebenssituationen von Menschen, also beispielsweise einem siebenjährigen Kind in Deutschland, dem Leiter einer chinesischen Fabrik  oder die Arbeiterin in einer chinesischen Spielwarenfabrik. Workshop-Leiterin und Spielepädagogin vom Nürnberger Bündnis Fair Toys (NBFT) Eva-Maria Steiner, im Hauptberuf Bildungsreferentin des Erzbischöflichen Jugendamtes in Fürth liest jeweils ein paar Sätze vor. „Du kannst mit dem Gehalt, das Du oder Deine Eltern verdienen, gut leben“ oder „Du hast genügend Platz zum Leben.“  Ähnlich wie bei so manchem Brettspiel darf man Felder nach vorne rücken, wenn man die Frage mit „Ja“ beantworten kann. Sehr schnell wird bei diesem „Spiel“ aber klar, dass manche Menschen, wie eben die chinesische Arbeiterin in der Spiel­zeugfabrik, trotz viel Arbeit, im wirklichen Leben nur ganz langsam, wenn überhaupt, vorankommen.
Zwischen 85 und 170 Überstunden leisten die chinesischen Arbeiter, oft Frauen, in den chinesischen Spielwarenfabriken, die für den europäischen Markt produzieren, beklagt NBFT. Zeitgleich macht das Bündnis, unter anderem getragen von der Mission EineWelt und der Christlichen Initiative Romero mit einer Aktion vor den Hallen der Spielwarenmesse auf die Missstände bei der Spielwarenproduktion aufmerksam.
Als Bär, Fuchs oder Löwe verkleidet verteilen Mitglieder des NBFT Handzettel an die Besucher und Aussteller der Spielwarenmesse. „Ob diese Zettel gelesen werden oder in den Papierkorb wandern“, wisse er nicht, sagte Jürgen Bergmann von der Mission EineWelt. „Ich habe aber die Hoffnung, dass sich etwas ändert“.
Das NBFT, das sich seit über zehn Jahren gemeinsam mit Partnerorganisationen in Europa und Asien für die Menschenrechte einsetzt, hat einen Katalog von Forderungen aufgestellt. Dazu gehören die Zahlung von existenzsichernden Löhnen, die Etablierung von unabhängigen Beschwerdemechanismen in den Zulieferfirmen und die Etablierung von Kontrollmechanismen. Das Bündnis macht sich zudem dafür stark, dass in jedem Unternehmen ein Verhaltenskodex eingeführt wird, „der alle relevanten Normen der UNO und der Erklärung der Menschenrechte abdeckt.“ Es habe auch einen langen Atem gebraucht, bis sich zum Teil bei der Produktion von Kleidung etwas verändert habe, erinnert Bergmann. Er wisse, dass man noch einen weiten Weg vor sich habe.
Anhand von eingeschleusten Arbeitern wurden zum Teil menschenunwürdige Bedingungen in der chinesischen Spielwarenindustrie festgestellt. Neben Überstunden gehörten dazu auch der Umgang mit gefährlichen Chemikalien und Niedriglöhne, die kaum zum Leben reichten.
Bergmann kritisierte, dass  es zwar Labels für Spielsachen gebe in puncto Sicherheit, Schadstofffreundlichkeit oder Umweltverträglichkeit. Aber es gebe keinen Aufschluss über die Sozialverträglichkeit der Produktion.
Für den Kunden sei bislang nicht überprüfbar, wie Spiele hergestellt würden. „Wir brauchen hier ein entsprechendes Siegel, das auch überprüfbar ist“, forderte Bergmann.  Grundsätzlich rät er den Verbrauchern „keinen Ramsch zu kaufen.“ Er wisse aber auch, dass dies leichter gesagt als getan sei. „Made in China“ stehe schließlich auf jedem zweiten Produkt in der Regalen.
Beim Nürnberger Spielefest im Eckstein nähert sich der Workshop dem Ende. Nur wenige Interessierte haben den Weg in den vierten Stock gefunden, um sich über das Thema Fair Toys zu informieren. Eine Legoplatte liegt auf dem Tisch, die einen 20 Quadratmeter großen Raum darstellen soll. Mit Legosteinen sollen 18 Betten und ein Waschraum mit Toilette für die Arbeiterinnen platziert werden. Das geht allerdings nur mit Stockbetten mit drei Etagen. Eine Privatsphäre ist nicht vorhanden. Allein dieser spielerische Ansatz lässt erahnen, wie menschenunwürdig die Bedingungen in der chinesischen Spielwarenindustrie sein können. 

Autor: Christoph Gahlau


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