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Erst im Kirchenasyl – inzwischen Mesner

Karawan Abdulmaseh Selman aus dem Irak hat eine ungewöhnliche Lebensgeschichte hinter sich


Foto: Christoph Gahlau

Erlangen – Sein Schritt wird schneller. Bis vor wenigen Augenblicken hat Karawan Abdulmaseh Selman noch mit Gottesdienstbesuchern in Herz Jesu in Erlangen geplaudert. Doch nun drängt ein wenig die Zeit. Der Gottesdienst, der um 11 Uhr begonnen hat, ist vor wenigen Minuten zu Ende gegangen. Und um 12.30 Uhr feiert die spanischsprachige Gemeinde in Herz Jesu ihren Sonntagsgottesdienst. Bis dahin muss Karawan die liturgischen Geräte, die nicht mehr gebraucht werden, aufgeräumt haben. Gleichzeitig, Kelch und Schale, Wein und Wasser für den neuen Gottesdienst vorbereiten. Karawan stammt ursprünglich aus Bagdad und ist nun seit 1. Dezember Mesner der Kirchengemeinde Herz Jesu in Erlangen.
Der 40-Jährige, der mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in seiner Heimat als aramäischsprachiger, chaldäischer Christ zu einer Minderheit gehört, ist im Irak vom IS verfolgt worden.
Im Irak erlebten sie Bombenattentate mit Toten und Verletzten. Im Oktober 2016 wurde die Familie in Herz Jesu wegen der drohenden Abschiebung ins Kirchenasyl aufgenommen. Am 2. Februar 2017 übernahmen dann die deutschen Behörden das Verfahren. Inzwischen sind Karawan, seine Frau Heba und die beiden Töchter Sainta (10) und Ornella (8) als Flüchtlinge anerkannt.
Die Mesnerstelle in Herz Jesu wurde frei, nachdem sich die Niederbronner Schwestern, die bislang diesen Dienst übernommen hatten, im November 2017 aus der Pfarrei verabschiedet hatten. Schon während der Zeit des Kirchenasyls sei die Überlegung angestellt worden, ob sie nicht einen kirchlichen Dienst nach der Beendigung des Kirchenasyls übernehmen könnte, erklärt Pfarrer Matthias Wünsche. Karawans Frau, Heba, arbeitet inzwischen halbtags im Kindergarten.
Die Handgriffe bei der Vorbereitung des Sonntagsgottesdienstes sitzen. 120 Hostien müssten in die Schale für den 11 Uhr Gottesdienst gelegt werden, erläutert Karawan dem Reporter vom Heinrichsblatt. Zielsicher greift der neue Mesner das richtige Lektionar heraus und schlägt die Lesungen und das Evangelium für den entsprechenden Sonntag auf. Ein kontrollierender Blick noch ins Direktorium des Erzbistums Bamberg, in dem die biblischen Texte für den Tag angegeben sind, sowie die liturgische Farbe. Alles passt!
Kelch und Schale, Wein und Wasser werden bereitet und für die Gabenprozession an die Kredenz in der Nähe des Kircheneingangs gebracht. Und schließlich zündet Karawan noch die Altarkerzen an.
Inzwischen trudeln die Ministranten ein. Der Mesner hat für die Mädchen und Jungen ein paar freundliche Worte übrig. Lektorin Elisabeth Schnackig beschreibt Karawan als einen sehr offenen Menschen, der sehr engagiert seine Arbeit macht. Mit der Sprache habe er manchmal noch ein wenig Schwierigkeit. „Aber er fragt nach und sagt nicht einfach nur ja, ja, wenn er etwas nicht versteht.“
Während des Gottesdienstes sitzt Karawan mit seiner Frau und seiner jüngeren Tochter an der Seite und feiert natürlich den Sonntagsgottesdienst mit. Tochter Sainta hat Anfang Mai Erstkommunion und sitzt deswegen bei ihren Klassenkameraden.
Die Mesnerstelle, die Karawan nun seit einigen Monaten inne hat, sei offen ausgeschrieben worden, betont Pfarrer Wünsche. Auch er lobt die Motivation seines neues Mesners. Die Familie ist inzwischen auch in das Haus eingezogen, in dem früher die Niederbronner Schwestern lebten.
Dass die Kirche die Familie aus dem Irak bei der Existenzgründung in Deutschland unterstützt ist für Pfarrer Wünsche mehr als eine Selbstverständlichkeit: „Wer, wenn nicht die Kirche ist in der Lage dazu, solche Arbeitsplätze zu schaffen.“ Karawan ist glücklich. Und seine neue Arbeit macht ihm Freude. „Jeden Tag kann ich etwas Neues lernen.“   

Autor: Christoph Gahlau


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