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Weltläden, Weltcup und warme Schokolade

Gute Aussichten für Weltläden – wenn es genug Mitarbeiter gibt


Foto: Brigitte Pich

Bayreuth – Für die einen ist das Glas halb leer. Für die anderen halb voll. Für Herbert Graß ist es halb voll. Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Bayreuther Weltladens „Die Brück“ sieht im großen und ganzen optimistisch in die Zukunft. „Die Umsätze steigen“. Und dieser Trend wird wohl anhalten.
Das sieht auch Frank Braun vom Eine-Welt-Netzwerk Bayern so. Er war aus Nürnberg nach Bayreuth gekommen, um beim monatlichen Treffen der ehrenamtlichen Mitarbeiter unter anderem der Frage nachzugehen: Haben Weltläden eine Zukunft?
Zum einen bestehe eine zunehmende Konkurrenz zu den Discountern. Diese haben teilweise von der Produktion bis zum Laden alles in der Hand und könnten Dank fehlender Zwischenschritte, vor allem aber dank der größeren Abnahme von Produkten günstiger sein.  
„Vom Preis her können wir da nicht mithalten“, weiß Herbert Graß. Doch Braun machte Mut, die Stärken der Weltläden zu betonen: Individuelle Beratung und Fachwissen. „Wir wissen, wo das Produkt herkommt und was für die Menschen vor Ort getan wird“, so Graß.
Bewusstsein für Fairtrade
Während konventionelle Läden Gewinn einfahren möchten, steht bei den Weltläden das ideele Ziel, den Menschen zu helfen,  im Mittelpunkt. Das Bewusstsein für faire Produkte steigt in der Gesellschaft. Und mit ihm steigen die Umsätze fair gehandelter Waren.
Der Experte aus Nürnberg machte nicht nur Mut. Um sich gegen die Konkurrenz konventioneller Läden und Discounter behaupten zu können, gab Braun auch konkrete  Tipps. Wichtig sei es vor allem, sich zu vernetzen, auch mit ähnlichen Gruppen vor Ort. Das bringe neue Ideen und Anregungen.
In Bayreuth sieht Graß hier gute Möglichkeiten. Zum Beispiel möchte er den Kontakt zum TransitionsHaus verstärken – hier gibt es zum Beispiel ein Nähcafé, eine Fahrradwerkstatt und Vorträge – und zur Universität. Zur Fairtrade University, wie sich die Hochschule seit Juli 2016 offiziell nennen darf. Auch hier gebe es bereits vereinzelte Kontakte, die ausgebaut werden könnten, um vor allem mehr jüngere Menschen anzusprechen und für eine Mitarbeit zu gewinnen oder für gemeinsame Aktionen.
Aktiv werden. Das war der Rat, den Frank Braun seinen Zuhörern ebenfalls gab. Zum Beispiel mal mit einem Bauchladen durch die Stadt laufen.
Ein weiterer Tipp: die Lagerhaltung nicht zu großhalten. Die Vorräte sollten nicht länger als ein viertel Jahr liegen.
Und: sich eventuell für regionale Anbieter öffnen. Auch sie brauchen eine faire Bezahlung. Ein Produkt, das sich Graß hier zum Beispiel vorstellen könnte, ist Honig von heimischen Imkern.
Schließlich: Immer wieder mal etwas Neues im Laden anbieten, um neugierig zu machen.
Etwas, das auch immer wieder neue Kunden in den Laden „ziehe“, sei das Stehcafé, wie Graß erklärt. Vom Espresso über Kaffee bis zum „Latte“ – einschließlich fairem Saft – gibt es hier ein günstiges Angebot.
„In den letzten Jahren hatten wir keine Umsatzeinbrüche, es gibt sogar einen leichten Anstieg“, freut sich Graß. „Wir müssen uns hier keine Sorgen machen“, ist er überzeugt.
Und dennoch. Mitarbeiter von Weltläden machen sich sehr wohl Sorgen um deren Zukunft. Dabei ist  es aber weniger schwierig Kunden zu halten, beziehungsweise neu zu gewinnen, als vielmehr ehrenamtliche Mitarbeiter. Früher hätten sich mehr junge Leute für die Mitarbeit interessiert. Auch Studenten. Aber  der Alltagstrott in einem Laden sei wenig attraktiv. Projekte und Aktionen beliebter. So ist das Glas eben auch halb leer.  
Für ein mögliches neues Produkt machte Braun dann auch  gleich Werbung: für den fairen Fußball. Der Fairtrade-Experte, der selbst Fußballtrainer ist, weiß allerdings auch, dass gerade jüngere Fußballfans lieber Bälle der Stars und der Championsleague möchten. Und FIFA-Bälle haben kein faires Logo, da die FIFA kein anderes  neben sich dulde. Dennoch gebe es faire-FIFA-Bälle, für die es dann ein Zertifikat aus Papier dazu gebe. Ein Topp-Ball könne allerdings bis zu 130 Euro kosten. „Es gibt aber schon Bälle mit Siegel für 20 Euro“, weiß Graß.
Es gebe bereits Vereine, die nur noch mit fairen Bällen spielen. Und sogar die oberste Amateur-Klasse im Saarland spiele nur mit fairen Bällen.
Laut Braun, muss man aber jemanden im Verein kennen und direkt ansprechen, möchte man  die Verantwortlichen für die faire Idee  gewinnen. Das gleiche gelte für Schulen, riet Braun, der auch Mut machte: Man kann was erreichen. Der Fachmann empfahl den Weltladen-Mitarbeitern ein, zwei Bälle zum Zeigen da zu haben. Bestellungen seien in wenigen Tag geliefert – etwa von der Nürnberger Firma Bad Boyz.

Autor: Brigitte Pich


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