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Aktion Mensch warnt vor Krise am Arbeitsmarkt für Behinderte

Bonn (KNA) – Menschen mit Behinderungen finden immer schwerer einen Job. Die Aktion Mensch sieht darin eine "Arbeitsmarktkrise", wie aus dem am Freitag in Bonn vorgestellten "Inklusionsbarometer Arbeit" hervorgeht. Danach stieg die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung 2024 auf fast zwölf Prozent an; allgemein belief sie sich auf sechs Prozent. Belastungen der vergangenen Jahre wie die Corona-Pandemie oder der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wirkten sich auf dem Arbeitsmarkt zum Nachteil von Menschen mit Behinderungen aus.

 

Die Zahl der Arbeitslosen mit Handicap kletterte den Angaben zufolge im Jahresdurchschnitt um nahezu sechs Prozent auf 175.236. "Und der Scheitelpunkt ist längst nicht erreicht", so die Aktion Mensch. Im Oktober des laufenden Jahres seien bereits 185.400 Menschen mit Behinderung ohne Anstellung, knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

 

Beschäftigungsquote nur noch 4,4 Prozent

 

Besonders problematisch sei, dass immer weniger Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitenden ihrer gesetzlichen Pflicht nachkämen, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Der Anteil dieser Betriebe, die die vorgegebene Fünf-Prozent-Quote erfüllen müssten, sei zwar von 179.000 auf 180.359 gestiegen. Aber mehr als jedes vierte dieser Unternehmen komme seiner Beschäftigungspflicht nicht nach und weitere 35 Prozent nur in Teilen. Inzwischen sei die Beschäftigungsquote für Menschen mit Behinderungen auf 4,4 Prozent gesunken, dem niedrigsten Stand seit der ersten Ausgabe des Inklusionsbarometers im Jahr 2013.

 

"Der Missstand verfestigt sich weiter; wir sehen uns mit einem drastischen Rückschlag für die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert", sagte die Sprecherin der Aktion Mensch, Christina Marx. "Es ist zu befürchten, dass es viele Jahre dauern und massive Anstrengungen erfordern wird, um diese Krise zu überwinden." Die Abgangsrate aus der Arbeitslosigkeit sei 2024 für Menschen mit Behinderung auf unter drei Prozent gesunken, während sie allgemein bei über sechs Prozent verblieben sei. Damit hätten Menschen ohne Behinderung eine doppelt so hohe Chance auf einen neuen Job als Mitbewerber mit Handicap.

 

Finanzielle Förderungen

 

Laut Marx ist Inklusion angesichts des Fachkräftemangels aber "ein strategischer Erfolgsfaktor". Zahlreiche Angebote unterstützten Unternehmen dabei, Menschen mit Behinderung einzustellen. Dies reiche von finanziellen Förderungen über Beratungsprogramme bis hin zu Hilfen bei der barrierefreien Arbeitsplatzgestaltung. "Die Potenziale sind vorhanden - sie müssen aber auch genutzt werden."